Wir müssen Anreize schaffen

Laurent Métraux

Laurent Métraux

01. Oktober 2025

Langlebigkeit: Das Wort klingt verheissungsvoll, doch es weckt auch Unmut. Ja, wir werden wohl länger arbeiten müssen, doch wir wollen nicht. Wie lösen wir das Dilemma? Wie machen wir längere Arbeit zum Beispiel reizvoller? Diese Fragen beschäftigen mich.

In der Schweiz werden wir im Schnitt immer älter. Gleichzeitig sind wir hin und wieder mit Todesfällen im eigenen Umfeld konfrontiert, das scheint den Trend zu relativieren. Doch die Statistik spricht eine klare Sprache. 

Die wachsende Lebenserwartung spielt für mich als Vorgesetzten im Berufsalltag eine Rolle. Wir wissen, dass wir länger arbeiten müssten, damit wir die Altersvorsorge langfristig finanzieren können. Das Rentenalter muss steigen. Dies entspricht jedoch nicht meinem Wunsch und auch nicht dem Wunsch der meisten Angestellten. Hier stecke ich in einem Dilemma. 

Wenn der Reformstau anhält, werden wir in 20 Jahren vielleicht sagen: Wir hätten viel schneller einen Wandel einleiten müssen. Doch wie soll man Menschen überzeugen, die von «länger arbeiten» nichts hören wollen? Ich habe keine Antwort; ich suche nach Argumenten und Lösungsansätzen. 

Wie stellen Arbeitgeber – in meinem Fall der Kanton Basel-Landschaft – sicher, dass wir auf unsere wichtigste Ressource, unsere Mitarbeitenden, möglichst lange zählen können? Wir setzen uns mit der Frage auseinander. Es gibt Ideen, aber noch wenig konkrete Massnahmen. Wir müssen Anreize schaffen, Modelle entwickeln, wie wir die Arbeit auch über 65 attraktiver gestalten können, etwa über Teilzeit oder Mitarbeit in Projekten anstelle von Verantwortlichkeiten in der Linie. Dabei sehe ich auch mich in der Pflicht. 

Im persönlichen Leben spielt das Thema Lebenserwartung natürlich auch eine Rolle. Wie alle Menschen hoffe ich, lange gut zu leben – geistig und physisch fit, sozial interessiert und integriert. Dafür tue ich etwas. Ich treibe Sport, Jogging und Wandern; morgens früh gehe ich regelmässig ins Gym. Und ich achte auf eine ausgeglichene Ernährung. Meine Frau und ich – das ist bei uns ein Ritual – bereiten am Abend das Mittagessen für den nächsten Tag vor. Frisch zubereitet und mit möglichst viel Gemüse.

Künftig will ich noch bewusster auf meine Work-Life-Balance achten. Beim Kanton sowie im Verwaltungsrat der blpk habe ich spannende, aber auch fordernde Aufgaben. Das heisst für mich: Ich muss Grenzen ziehen und noch deutlicher für Ausgleich sorgen. Würde ich den Prozess des Alterns für mich gern verlangsamen? Nein, nicht unbedingt. Ich finde, man sollte akzeptieren, dass man älter wird.

Laurent Métraux ist Co-Präsident des Verwaltungsrats der blpk und Leiter der Finanzverwaltung des Kantons Basel-Landschaft