Spontan kommt mir eine Geschichte aus der Kindheit in den Sinn: Meine Mama hatte in der Küche unsere Kinderzeichnungen aufgehängt, und es gab eine Wand, an der Postkarten mit Sprüchen hingen. Auf einer Karte stand: «Oh Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.» Dieser Spruch, der ist für mich der Kern der Resilienz. Ich übe mich jeden Tag in dieser Mischung aus Gelassenheit, Mut und Weisheit, aber, ganz ehrlich, es besteht noch immer viel Luft nach oben.
Und so nutze ich meine Resilienz: Wenn eine Situation auf mich zukommt, die mir nicht gefällt, zum Beispiel ein Ärgernis im Alltag, drücke ich zuerst einen mentalen Pausenknopf – ich lege einen Stopp ein. Dann atme ich bewusst tief durch, denn richtig zu atmen, ist wichtig! Und dabei lote ich meinen Handlungsspielraum aus: Ich überlege, ob ich etwas an der Situation ändern kann. Falls nicht, versuche ich, das Beste daraus zu machen. Und ich überlege, wie ich die aktuelle Situation rückblickend einstufen würde, etwa einen Monat später.
Ein banales Beispiel: Kürzlich verpasste ich das Postauto nach Hause, weil der Zug Verspätung hatte. Meine Optionen: Ich warte 25 Minuten auf das nächste Postauto oder ich gehe zu Fuss nach Hause, 20 Minuten leicht bergauf. Ich entschied mich für den Fussmarsch, genoss die Herbstsonne, lüftete den Kopf und kam guter Stimmung zu Hause an. Erkenntnis: Es bringt nichts, Energie zu verschwenden bei Dingen, die sich nicht ändern lassen. Das spart Energie für die Dinge, die ich beeinflussen kann.
Ich tue bewusst etwas für meine Resilienz, ich trainiere sie. So baue ich in meinen Alltag «Me-time» ein – Zeit, in der ich ganz für mich bin. Wo ich mich auf etwas konzentrieren kann, das ich gerne tue und das mir Kraft gibt. In dieser Zeit mache ich Naturspaziergänge, am besten durch den Wald. Ich löse Rätsel, lese, koche oder stricke, ich spiele Klavier oder mache etwas Sportliches. Auf genügend Schlaf schaue ich ebenfalls; das gelingt mir aber leider nicht immer. Ausserdem pflege ich meine sozialen Kontakte. Ich treffe Freunde und tausche mich aus, gerne bei gemütlichen Einladungen zu Hause oder nach der Arbeit beim Apéro.
Eine starke Resilienz allein – das ist meine Erfahrung – löst noch keine Probleme. Aber sie hilft dabei, die Herausforderungen des Lebens besser zu bewältigen.
Michèle Perregaux Bucher ist Verwaltungsrätin der blpk, als Vertreterin der Arbeitgebenden. Sie ist Rechtsanwältin sowie stellvertreten-de Abteilungsleiterin und Teamleiterin Juristen bei der SVA Basel-Landschaft.