Als 2018 weltweit die «Fridays For Future»-Proteste begannen, blieben auch in der Sekundarschule Gelterkinden erste Schülerinnen und Schüler dem Unterricht fern. «Ich konnte das gut nachvollziehen», erinnert sich Gabriela Graf-Kocsis. Sie unterrichtete damals als Fachlehrerin für Natur und Technik und leitet das Projekt Klimaschule. «Gleichzeitig habe ich mich damals gefragt, wie wir dieses Interesse und diese Betroffenheit längerfristig im Unterricht aufnehmen können.»
«Die Schülerinnen haben das gesamte Schulareal umgekrempelt und es dadurch klimaresilienter gemacht. »
Graf-Kocsis entwickelte ein Konzept mit Lehreinheiten zum Thema Klima und einem jährlichen Event, einem Gesamtschulanlass. Unterstützung erhielt sie von my blue planet, einem gemeinnützigen Verein, der Lehrerinnen und Lehrern dabei hilft, das Thema Klimawandel in den Schulalltag zu integrieren, und ein Zertifikat für Klimaschulen vergibt.
Ein Tag ohne Strom
2021 startete die Schule in Gelterkinden mit einem Blackout Day: Der Hauswart kappte den Strom im Schulhaus, die Schüler thematisierten die Herkunft und unsere Abhängigkeit von Strom. Ein Jahr darauf folgte eine Aktionswoche zum Thema Biodiversität. «Dafür schulten wir zuerst das Lehrpersonal mit Expertinnen von Pro Natura und Birdlife, dem zuständigen Revierförster und einem Experten für den Bau von Trockenmauern», erzählt Graf-Kocsis. Unterstützt von einem Unternehmen für Gartenbau pflanzten die Jugendlichen Bäume auf dem Schulareal, entsiegelten Betonflächen, legten Hochbeete für Gemüse an und bauten Nistkästen für Vögel. «Die Schülerinnen haben das gesamte Schulareal umgekrempelt und es dadurch klimaresilienter gemacht.» In den folgenden Jahren hat die Schule die Schwerpunkte Ernährung, Energie und Mobilität thematisiert und praktisch umgesetzt. So entstand zum Beispiel eine Fotovoltaikanlage, und Schüler und Lehrerinnen erarbeiteten zudem ein Ernährungskonzept für sämtliche Kochanlässe an der Schule. «Uns war immer wichtig, dass die Schüler Verknüpfungen zwischen verschiedenen Themen herstellen», sagt Graf-Kocsis.
Organisiert wird das Projekt Klimaschule von einem achtköpfigen Kernteam, dem auch der Schulrektor Roger Leoni angehört. Ziel der Klimaschule sei es, den Lernenden Lebenskompetenzen zu vermitteln, die ihnen positive Zukunftsaussichten eröffnen, sagt er. «In der Klimaschule lernen sie, Dinge zu hinterfragen, zu diskutieren und eigene Lösungen zu entwerfen.» Dadurch könnten sich die Jugendlichen bewusst mit ihren Haltungen und Sichtweisen auseinandersetzen.
Veganes Znüni für die ganze Schule
Ein weiteres Angebot der Klimaschule ist der Klimarat, an dem sich interessierte Schüler beteiligen können. Während sechs Doppellektionen in der Unterrichtszeit arbeiten sie an einem eigenen Klimaprojekt. Zum Beispiel kochen sie ein veganes Znüni für die gesamte Schule, bauen eine sparsame Bewässerung für das Hochbeet oder drehen einen Werbefilm für eine umweltgerechte Abfallentsorgung. Der Rat startete mit drei Schülerinnen und Schülern, heute sind es um die 30. Anne Rickenbacher war drei Jahre lang im Klimarat aktiv, bevor sie dieses Jahr das Gymnasium in Liestal begann. «Ich habe im Rat vor allem gelernt, wie aus einer Idee ein Projekt wird – und wie man solch ein Projekt umsetzt», sagt die 15-Jährige.
«Ich habe im Rat vor allem gelernt, wie aus einer Idee ein Projekt wird - und wie man solch ein Projekt umsetzt. »
Besonders gut haben ihr die Ausflüge mit dem Klimarat gefallen. Letztes Jahr war der Rat zu Besuch bei Planted in Kemptthal, wo pflanzliche Fleischersatzprodukte hergestellt werden. Ebenfalls in guter Erinnerung geblieben ist ihr ein Besuch in dem Palais des Nations, dem UN-Standort in Genf. Dort durfte sie gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen von anderen Klimaschulen an einem Anlass zu den 17 UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung teilnehmen.
Was nimmt sie aus ihrer Zeit im Klimarat für die Zukunft mit? «Das Wissen, dass jeder etwas gegen den Klimawandel tun kann», sagt Anne Rickenbacher. Das verändere zwar nicht sofort die Welt. «Doch es kann andere inspirieren, sie mitziehen und zu etwas Grösserem werden.» Das hatte Greta Thunberg sich wohl auch gedacht, als sie 2018 erstmals mit einem Schild vor dem Gebäude des schwedischen Parlaments sass.